Musikalische Meditation an Karfreitag – Jahrtausende berühren sich

(erschienen in „Kelsterbach Aktuell", 13.4.2012)

Vor 33 Jahren begründete Kantor Rainer Noll die Passionsmusiken an Karfreitag. Trotz so langer „Routine" und kürzlicher schwerer Erkrankung ließ er es sich nicht nehmen, auch für die Musikalische Meditation zur Todesstunde Jesu am vergangenen Karfreitag in St. Martin in Kelsterbach wieder ein völlig neues Programm zu erarbeiten und in gewohnt ausgereifter Meisterschaft zu präsentieren und auch im Programmheft profund zu kommentieren.

„Albert Schweitzer und die Musik" - Vortrag in Nierstein am 02. Oktober 2011

„Albert Schweitzer und die Musik"

Vortrag (mit Orgelkonzert) von Rainer Noll am 2. Oktober 2011

in der Martinskirche zu Nierstein

(überarbeitete Nachschrift)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Name Al Imfeld wird Ihnen nichts sagen: er ist ein Journalist aus der Schweiz, geboren am 14. Januar 1935 (auf den Tag genau 60 Jahre nach Albert Schweitzer), Theologe und Afrikakenner; und großer Schweitzerverehrer. Er wurde mit Schweitzers Schriften schon in seiner Jugend durch seine Mutter vertraut gemacht. Zu Schweitzer hat er sich geäußert in einem Rundfunk-Interview (SWR 2 Forum, 13.11.2009). Gleich nach seinem Abitur wollte er nach Lambarene, um sein Idol kennen zu lernen. Er fuhr dorthin 1954, und er reiste Hals über Kopf nach drei Tagen wieder ab. Er war nach eigener Aussage „schockiert", als er Schweitzer persönlich kennen lernte. Warum? Weil sein Idol nicht genau dem entsprach, was er erwartet hatte. So geht es sicher mit vielen „Heiligen": sie werden umso heiliger, je weiter sie weg sind, räumlich und zeitlich - je näher man ihnen kommt, desto problematischer wird das Verhältnis (deshalb scheinen sie heute fast ausgestorben). Anlass war nicht nur, dass Schweitzer ihm die Benutzung seiner mitgebrachten Schreibmaschine verbot mit schroffen Worten: „Gehen Sie weg mit der!", er wolle die Menschlichkeit nicht aus seinen Briefen verbannen (Schweitzer schrieb selbst alles mit der Hand, obwohl er vom Schreibkrampf geplagt war). Dies mag man zu Recht als fortschrittsfeindlich oder auch als schrullig abtun, und dennoch trifft Schweitzer damit einen Nerv (wie bei so vielem). Der eigentliche Grund für den Schock war folgender. Al Imfeld, humanistisch erzogen, verehrte in Schweitzer einen der größten Humanisten unserer Zeit. Gleich am ersten Tag erklärte ihm Albert Schweitzer: „Diese Neger hier sind noch keine Menschen, die sind erst auf dem Weg, die sind Kinder." Man muss allerdings Schweitzer zum richtigen Verständnis übersetzen: mit „Menschen" meinte er natürlich Erwachsene. Dies war Schweitzers Auffassung, dass die Eingeborenen zwar seine Brüder seien, aber seine jüngeren Brüder. Hier gab es also ein Missverständnis und deshalb eine Enttäuschung. Gerade dieser Al Imfeld berichtet auch, was kaum bekannt ist (und wer hätte das gedacht?), dass Schweitzer das Apartheidssystem in Südafrika zu dem damaligen Zeitpunkt in Briefen befürwortet hat, weshalb einige ihn für einen Rassisten halten, der er beileibe nicht war (wie allerdings auch kein „lupenreiner Demokrat"). Ich will hier keine „Heiligenschändung" betreiben, ich will auf etwas ganz anderes hinaus. Fast immer wurde von Albert Schweitzer ein Idealbild gezeichnet, sogar von ihm selbst. Wer immer es noch so wohlmeinend wagte, dieses in fruchtbare Spannung zu einem Realbild treten zu lassen (ein „Sakrileg"!), wurde und wird in gewissen, manchmal sektiererischen Schweitzer-Kreisen zur persona non grata (was ich gerade mit diesen Sätzen wieder riskiere). Ich berichte dies alles, weil kaum eine andere Person in vielerlei Hinsicht gerade deshalb so missverstanden wurde wie er. Heute haben wir die Tendenz, dass sein Name wie ein Etikett vielen Dingen einfach aufgeklebt wird. Er soll quasi als Qualitätssiegel gelten. Vordergründig zählt hier der Marketingerfolg (Quotenprinzip, Verwertbarkeit), ohne dass man sich noch um eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit der Substanz seiner durchaus kantigen, unbequemen und manchmal widersprüchlich scheinenden Persönlichkeit bemüht, denn dies macht Mühe und erfordert Differenzierteres, als eine Schlagzeile zu lesen. Unausgesprochenes Motto: „Schweitzer, wie wir ihn brauchen" statt „wie er war". Dabei hat Albert Schweitzer es am wenigsten nötig, zum Legenden-Heiligen und Alles-Könner, eben zum Halbgott hochstilisiert zu werden, als den man ihn vielleicht besser „verkaufen" kann - so, wie eine sofort eingängige, banale Melodie auch zunächst bei der Masse besser ankommt als eine charaktervolle (zunächst!). Denn er ist innerhalb seiner menschlichen Grenzen gewaltig genug, um vor jeder Wahrhaftigkeit zu bestehen. Nicht Nach- oder Anbetung, die man ihm entgegenbringt, sondern Anregung, die von ihm ausgeht, ist es, wofür ich plädiere.

29. Abendmusik zum Weihnachtsmarkt - barock und zeitgenössisch

(erschienen in „Kelsterbach Aktuell", 16.12.2011)

Wieder hatte Kantor Rainer Noll, der seit der Gründung 1982 alle diese Abendmusiken selbst plante und ausführte, einem barocken Programm ein zeitgenössisches Werk als „Kontrapunkt" entgegengesetzt: die von weihnachtlichem Flair erfüllte Orgelpartita über das ebenfalls zeitgenössische, aber kaum bekannte Weihnachtslied „Also liebt Gott die arge Welt" EG 51 des 1933 geborenen, bis heute sehr produktiven Komponisten Lothar Graap. Noll erwies sich auch diesmal wieder als „Meister der Registrierung", wie Stadtrat Ernst Freese in seiner nach dem Konzert in Vertretung des Bürgermeisters gehaltenen Dankesrede hervorhob.

Abendmusik zum Weihnachtsmarkt 2011

„Abendmusik zum Weihnachtsmarkt"
in St. Martin Kelsterbach
Plakat

Auch in diesem Jahr findet wieder eine Abendmusik zum Weihnachtsmarkt  am Samstag, dem 3. Dezember 2011, um 20 Uhr in der St. Martinskirche zu Kelsterbach statt.

Dies ist die 29. Abendmusik zum Weihnachtsmarkt unter der Leitung von Rainer Noll, der diese Konzertreihe 1982 begründet hat. Er wird auch wieder das Programm mit einem zeitgenössischen Orgelwerk von Lothar Graap (* 1933) als „Kontrapunkt" zu den barocken Stücken bereichern: der Partita über das Weihnachtslied EG Nr. 51 „Also liebt Gott die arge Welt".

Die Heidelberger Sopranistin Eva Lebherz-Valentin singt die Weihnachts-Kantate „Träufelt, ihr Himmel, von oben" von Johann Philipp Krieger (1649 - 1725) und das „Salve Regina" von Antonio Caldara (1670 - 1736). Ihre Tochter Esther Valentin (Alt) wird mit den Arien „Bereite dich, Zion" und „Schließe, mein Herze" aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) zu hören sein. Gemeinsam musizieren beide das Duett „Christe eleison" aus Bachs h-moll-Messe.
Professor Martin Nitz aus Hamburg wird ein Blockflöten-Konzert in F-dur von Antonio Vivaldi (1678 - 1741) und eines in a-moll von Tomaso Albinoni (1671 - 1751) interpretieren.
Wieder konnte das Mainische Collegium Musicum mit historischen Instrumenten gewonnen werden. Die Continuoorgel übernimmt die langjährige frühere Kantorin der Lutherkirche Rüsselsheim, Dorothea Weber.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende für die Kirchenmusik an St. Martin wird gebeten.

Verbinden Sie einen Bummel über den von der St. Martinsgemeinde auf dem Kindergartengelände ausgerichteten Weihnachtsmarkt mit einem Besuch dieser Abendmusik als krönenden Abschluss.

Am Ausgang werden wieder CDs mit Aufnahmen früherer Weihnachtsmarktmusiken angeboten, die sich als sehr persönliches Weihnachtsgeschenk eignen

Albert Schweitzer und die Musik

02.10.2011 - 18:00

So lautet der Titel des Vortrages, den Rainer Noll am Sonntag, dem 2. Oktober 2011, um 18 Uhr in der Evangelischen Martinskirche in Nierstein als Abschluss der Ausstellung und der Veranstaltungsreihe „Albert Schweitzer in Nierstein und Rheinhessen" halten wird (Eintritt frei - um eine Spende wird gebeten).

Anschließend spielt Noll, dessen Orgelinterpretation von Anfang an durch Schweitzer geprägt wurde, ein Orgelkonzert mit Bachwerken, die auch Albert Schweitzer oft gespielt hat: die Fuge g-moll, die Choralvorspiele „Schmücke dich, o liebe Seele" und „Vor deinen Thron tret ich hiermit" sowie  Präludium und Fuge e-moll. Darüber hinaus erklingt eine Fantasie über die Töne A - (E)s, Schweitzers Namensinitialen, die Lothar Graap (geb. 1933) als „Hommage à Albert Schweitzer zum 125. Geburtstag" komponiert hat.

In dem Vortrag geht es nicht nur um den musikalischen Werdegang Schweitzers, sondern auch um die Frage: Was hat dieser Mann uns heute noch musikalisch zu sagen, der aus einer anderen Zeit kommt, und den unsere Zeit längst überholt zu haben scheint? Schon seine äußere Erscheinung, sein ganzer Habitus verweist auf eine vergangene Zeit: das 19. Jahrhundert. Auch sein Orgelspiel und seine Orgelbauvorstellungen sind ganz von der Romantik geprägt. Dies erscheint geradezu paradox, ja missverständlich, da gerade er es war, der der Bach-Interpretation des 20. Jahrhunderts wichtige Anregungen gab und eine Bewegung im Orgelbau initiierte, die dann als „Orgelbewegung" weit über ihn hinausging.

Mit Rainer Noll konnte ein Referent gewonnen werden, der sich seit seinem zehnten Lebensjahr mit Schweitzer in allen Facetten auseinandersetzt. Er ordnete und katalogisierte seinen musikalischen Nachlass in seinem Haus in Günsbach im Elsass. Die ergreifende Beseeltheit und Wärme und die jede Veräußerlichung meidende glutvolle Intensität der Orgelinterpretationen Rainer Nolls bezeugen den fast vergessene Geist des Orgelspiels Albert Schweitzers und halten ihn gegen den Trend der Zeit lebendig. Inspiriert von Albert Schweitzer, entwarf Noll 1972/73 die neue Orgel in der Evangelischen Kirche in Wiesbaden-Bierstadt, die auch eine authentische Wiedergabe der Orgelwerke der deutschen und französischen Romantik ermöglicht - damals der Zeit weit voraus, heute eine Selbstverständlichkeit (siehe dazu http://www.erbacher-hof.de/orgel/bierstadt).

Nolls Veröffentlichungen zu Schweitzer sind zu finden unter:

www.erbacher-hof.de.

22. Torhauskonzert im Erbacher Hof

13.08.2011 - 17:00

22. TORHAUSKONZERT

im Erbacher Hof

Samstag, den 13. August 2011, 17 Uhr

Heerstraße 15, Wiesbaden-Nordenstadt

Torhaus

 


Festliches Trompetenkonzert

mit dem Pfeiffer-Trompeten-Consort (3 Trompeten, Pauken und Orgel)

Pfeiffer-Trompeten-Consort

Bachkonzert am 31. Juli 2011

Zum Programm

Plakat Bachkonzert 2011

 

Dank der finanziellen Unterstützung der Stadt Kelsterbach ist auch in diesem Jahr wieder „große Kirchenmusik" beim Bachkonzert möglich. Es ist das nunmehr 34. Konzert zu Johann Sebastian Bachs Todestag († 28.7.1750) und findet am Sonntag, dem 31. Juli 2011, um 20 Uhr in St. Martin Kelsterbach statt (seit seiner Begründung durch Rainer Noll im Jahre 1977 unter seiner Leitung).

Auf dem Programm stehen ausschließlich Werke von Johann Sebastian Bach. Neben dem Konzert in c-moll BWV 1060 für Oboe, Violine und Orchester erklingen diesmal drei sogenannte Dialog-Kantaten: „Ach Gott, wie manches Herzeleid" BWV 58, „Tritt auf die Glaubensbahn" BWV 152 und „Selig ist der Mann" BWV 57. In allen drei Werken entfaltet sich ein Zwiegespräch zwischen der bedrängten Seele (Sopran) und dem tröstenden Jesus (Bass). Schließlich entbrennt die Seele in verzückter Jesusminne zu ihrem Geliebten, zu Jesus, der ihr Zuversicht und Trost spendet. Bachs Musik nimmt hier wie selten, inspiriert vom Text,  opernhaft-erotische Züge an. Sicher ist es die uns fremd gewordene barocke Sprache des 18. Jahrhunderts. Aber wer könnte schon der eröffnenden Aussage „Ach Gott, wie manches Herzeleid begegnet mir zu dieser Zeit!" eine inhaltliche Aktualität absprechen? Mit den Worten „Nur Geduld, Geduld, mein Herze, es ist eine böse Zeit!" richtet Jesus (Bass) die niedergedrückte Seele (Sopran) auf und verheißt uns allen „Nur getrost, getrost, ihr Herzen, hier ist Angst, dort Herrlichkeit!".

Einmalig im Schaffen Bachs ist die Besetzung der Kantate „Tritt auf die Glaubensbahn": das Instrumentalensemble besteht neben dem obligaten Continuo aus Blockflöte, Oboe, Viola d'amore und Viola da Gamba.

Im weitesten Sinne thematisieren auch diese Kantaten, wie schon die des Bach-Konzertes 2010, die Situation des Menschen, der sich inmitten von irdischer Not und Bedrängnis nach seligem Frieden, Erfüllung und himmlischer Freude durch Erlösung von Welt, Sünde und Tod sehnt. Sie gehören zur „ars moriendi" („Sterbekunst"), die für den barocken Menschen immer zur rechten „ars vivendi" („Lebenskunst") als Kehrseite gehörte, während wir heute Endlichkeit und Ende eher verdrängen und einem Kult ewiger Jugendlichkeit huldigen. Anders bei Bach, der gerade in diesen Werken zu seiner innigsten und ergreifendsten Tonsprache findet. Und diese ist keineswegs düster und traurig, sondern heiter-verklärt.

Wieder konnten hervorragende Musiker gewonnen werden:

Birgit Völker (Graz), Sopran, Erik Frithjof (Augsburg), Bass, Mainisches Collegium Musicum mit Olaf Joksch (Offenbach), Orgelcontinuo. Leitung: Rainer Noll

 

Eintritt: 10  € im Vorverkauf,  12  € an der Abendkasse

 

Vorverkaufsstellen:   

Kelsterbach:

  • Schreibwaren Hardt, Marktstraße 3
  • A. Eckes, Café Maria, Mönchbruchstraße 45
Wiesbaden:
  • Musikalien Petroll, Marktplatz 5    

Veranstalter: Magistrat der Stadt Kelsterbach und St. Martinsgemeinde

Musikalische Karfreitagsmeditation in St. Martin

Wieder hatte Kantor Rainer Noll ein in Kelsterbach noch nie gehörtes Programm für die „Musikalische Meditation zur Todesstunde Jesu" am vergangenen Karfreitag in der St. Martinskirche ausgearbeitet. Und wieder typisch für Noll: Neben Johann Sebastian Bach erklangen wieder Werke eines Zeitgenossen, hier Lothar Graap (geb. 1933). Von ihm sang der gefragte Berliner Tenor von der Staatsoper Unter den Linden, Christoph Leonhardt, drei Passionsgesänge, sensibel begleitet von Noll an der Orgel. In diesen schwebenden Gesängen, deren Verhaltenheit und äußere Schlichtheit den Hörer von ihrer Schwierigkeit nichts ahnen lässt, konnte Leonhardt in aller Bescheidenheit seine vollendete Stimmkunst zeigen.

Musikalische Meditation zur Todesstunde Jesu

Karfreitag

Wie schon in den vergangenen Jahren, so lädt die St. Martinsgemeinde auch in diesem Jahr wieder zu einer

Musikalischen Meditation zur Todesstunde Jesu

am Karfreitag, dem 22. April 2011,

um 15 Uhr in der

St. Martinskirche zu Kelsterbach .

Diese Passionsmusiken an Karfreitag hat Kantor Rainer Noll vor 32 Jahren begründet.

Im Zentrum stehen diesmal drei Sologesänge zur Passion von Lothar Graap (geb. 1933): „Fürwahr, er trug unsre Krankheit", „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" und „Herr ist Jesus Christus". Sie werden gesungen von dem Berliner Tenor Christoph Leonhardt (Staatsoper Unter den Linden). An der Orgel begleitet Rainer Noll, der außer der Partita „Kreuz, auf das ich schaue", ebenfalls von Lothar Graap, auch das Präludium h-moll aus dem ersten Teil und die Präludien f-moll, g-moll, und a-moll aus dem zweiten Teil der Sammlung „Das Wohltemperierte Clavier" von Johann Sebastian Bach spielt.

Die Lesungen hält Pfarrvikarin Inga von Gehren.

 

Diese Musikalische Meditation zu Jesu Leiden und Sterben bietet eine intime Alternative zu den großen Passionsaufführungen.

Der Eintritt ist frei, am Ausgang wird um eine Spende für die Kirchenmusik gebeten.

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