Die Voigt-Orgel (1886) zu Nordenstadt

(erschienen in „Ars Organi", 2/1987,  mit leichten Abweichungen)

Nordenstadt liegt östlich von Wiesbaden, links der Autobahn (A 66) von Wiesbaden nach Frankfurt. Fast bis zur Eingemeindung zu Wiesbaden im Jahre 1977 war Nordenstadt eine kleine Landgemeinde bäuerlichen Charakters.

Zum Albert-Schweitzer-Boom

Bemerkungen von Rainer Noll zu dem derzeitigen „Albert-Schweitzer-Boom" in Film, Sendemedien, einigen Buchpublikationen und Diskussionen (21.1.2010):

In „Verfall und Wiederaufbau der Kultur" (München, 1960, S. 25) schreibt Albert Schweitzer bereits 1923 harte Worte: „Zeitschriften und Zeitungen haben sich in steigendem Maße in die Tatsache zu finden, daß sie alles nur in der leichtestfaßlichen Form an den Leser heranbringen dürfen. [...] Einmal mit dem Geiste der Oberflächlichkeit erfüllt, üben diese Organe, die das geistige Leben unterhalten sollten, ihrerseits eine Rückwirkung auf die Gesellschaft aus, die sie in diesen Zustand brachte, und drängen ihr die Geistlosigkeit auf." Und in „Aus meinem Leben und Denken" (=LD, Siebenstern-TB, München und Hamburg, 1965, S. 183) lesen wir bei ihm: „Wie durch die Lichtreklamen, die in den Straßen der Großstadt aufflammen, eine Gesellschaft, die kapitalkräftig genug ist, um sich durchzusetzen, auf Schritt und Tritt Zwang auf ihn [den heutigen Menschen]  ausübt, daß er sich für ihre Schuhwichse oder ihre Suppenwürfel entscheide, so werden ihm fort und fort Überzeugungen aufgedrängt."

Zum Tempo der Orgelweke am Beispiel Albert Schweitzers

„Erste und letzte Forderung bleiben Klarheit und Plastik":

Nochmals Wider den eiligen Geist" und für „Slow-Food statt Formel 1"

Die beiden Artikel von Armin Schoof („Wider den eiligen Geist", Forum Kirchenmusik, 3/2009, S. 15 ff) und von Herfried Mencke  („Slow-Food statt Formel I...", Forum Kirchenmusik, 6/2009, S. 20 ff) veranlassen mich, zu diesem Thema, mit dem ich mich (auch mit anderen) schon ein Leben lang auseinandersetze, ebenfalls einiges beizutragen. Um es gleich zu sagen: zustimmend und vor allem ergänzend.

Die Klage über falsche (überwiegend zu schnelle) Tempi in der Musik ist fast so alt wie die Klage über die Verderbtheit der Jugend. Tadel und Warnungen finden sich von dem bei Schoof erwähnten Schütz über C. Ph. Emanuel Bach, Quantz, Mozart, Beethoven, Schumann, Reger (diesen siehe auch Schoof) bis in die heutige Zeit (um nur einige namentlich anzuführen). Auch das Tempo folgt interpretatorischen „Moden", das Pendel schlägt auch hier nach beiden Seiten aus.

„Geistesgegenwart“ – ein Beispiel aus der modernen Musik der Kirche

„Geistesgegenwart" - ein Beispiel aus der modernen Musik der Kirche (1)
(mit Exkurs:  »„im Geiste von..." bei Albert Schweitzer«)

Vortrag von Rainer Noll, gehalten am 15. März 1997 während der Internationalen Seminartage des Albert-Schweitzer-Hauses in Günsbach/Elsaß (Gesamtthema: Heiliger Geist - Geist des Lebens - Geist der Wahrheit) als Einführung zum abendlichen Orgelkonzert von Rainer Noll in der Pfarrkirche Günsbach auf der von Schweitzer geplanten Orgel

27. Abendmusik zum Weihnachtsmarkt in St. Martin – ein kulturelles Ereignis höchsten Ranges

erschienen in "Kelsterbach Aktuell", 11.12.2009

In der gut besuchten Martinskirche in Kelsterbach erlebte das Publikum am vergangenen Samstag einen unbestreitbaren Höhepunkt in der langjährigen Reihe dieser Konzerte. Von der Stadt Kelsterbach und der Martinsgemeinde finanziert, aber auch privat gesponsert, gelang mit dem seit vielen Jahren renommierten Main-Barockorchester Frankfurt ein absoluter Glücksgriff (mit Kirchenmusikdirektor Peter Schumann aus Heidelberg als souveränem Altmeister an der Continuoorgel). In diesem auf historischen Instrumenten und in historischer Stimmung spielenden Orchester hatten die drei Solisten des Abends (Sopran, Blockflöte, Orgel) einen ebenbürtigen Partner - alle präsentierten sich auf höchstem Niveau.

Rezension des Konzerts in St. Martin am 29. Oktober 2009

erschienen am 13.11.2009 in "Kelsterbach Aktuell"

Klangfarben: Gleich zwei Uraufführungen in St. Martin Kelsterbach

Im Rahmen der Dekanatskirchenmusikwoche „Klangfarben" fanden in einem sehr gut besuchten Sonderkonzert in der St. Martinskirche gleich zwei Uraufführungen statt: die Choralsuite „Du meine Seele, singe" für vier Posaunen und Orgel des bei Berlin lebenden Lothar Graap (geb. 1933) und fünf spielerische Variationen für vier Posaunen über das Lutherlied „Nun freut euch, lieben Christen g'mein" von Martin Schlotz (geb. 1971), Lutherkantor in Rüsselsheim. Beide Kompositionen gab Kantor Rainer Noll speziell für dieses Konzert in Auftrag. Graaps eher traditionelles Werk mit effektvollem Dialog zwischen Posaunen und Orgel, überzeugend dargeboten vom Posaunenquartett „WaltaffaBRASS" (Karl-Ernst Eschborn, Michael Herner, Gerhard Eschborn, Gunther Mäusezahl) und Rainer Noll an der Orgel, erhielt als einziges spontan Zwischenapplaus. Die Variationen von Schlotz kamen mitreißend jazzend und swingend daher.

Festliches Bach-Konzert mit Jagdszenencharakter

Erschienen in "Der Martinsbote", Okt./Nov. 2009

Dachte man, die Pracht der Bach-Konzerte der letzten Jahre sei nicht mehr zu überbieten, so wurde man diesmal im 32. Bach-Konzert eines Besseren belehrt. Schon das Programm an sich ließ „große" Musik erwarten und hätte die Kirche über ihr Fassungsvermögen füllen müssen. Neben Bach war die Musikzusammenstellung besonders Bachs Altersgenossen Händel gewidmet, dessen 250. Todesjahr wir 2009 begehen. Zu ihren Lebzeiten begegneten sie sich nie.

Die ethische Haltung Albert Schweitzers

Vortrag für „Künstlerhort" in Verbindung mit Städtischem Kulturamt Wiesbaden, gehalten am 4.12.1979 von Rainer Noll

in der Villa Clementine Wiesbaden

Sehr geehrte Damen und Herren!

An den Anfang stelle ich Fragen: Was ist der Sinn meines Daseins und welchen Inhalt soll mein Leben haben? „Was bedeutet die Gesellschaft, in der ich lebe, und ich selber in der Welt? Was wollen wir in ihr? Was erhoffen wir von ihr?" (K I, S. 63)

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