Im Rückblick:
Hörprobe
Gigout - Toccata in h-moll, gespielt 1994 in Münster (Elsass). Auch auf CD erhältlich.
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Rainer Noll
So lautet der Titel des Vortrages, den Rainer Noll am Samstag, dem 25. September 2010, um 17 Uhr in der Evangelischen Kirche Wiesbaden-Auringen über Leben und Denken des humanistischen Theologen, Philosophen, Arztes und Musikers Albert Schweitzer (1875 – 1965) halten wird (mit Musikbeispielen).
Hat dieser Mann uns heute noch etwas zu sagen, der aus einer anderen Zeit kommt, und den unsere Zeit längst überholt zu haben scheint?
im Erbacher Hof
Heerstraße 15, Wiesbaden-Nordenstadt
(mit Verleihung der Bürgermedaille in Silber an Rainer Noll durch Stadtrat Manfred Laubmeyer)
Werke von J. S. Bach, F. Sor, F. Moreno-Torroba, A. Lauro, H. Villa-Lobos und A. Piazzolla
(erschienen in: "Kelsterbach aktuell", 30.07.2010)
„Wer den Tod verdrängt, verpasst das Leben." Dieser Satz des Arztes, Theologen und Bestsellerautors Manfred Lütz könnte als Motto über dem diesjährigen Bach-Konzert in St. Martin stehen. Im wieder liebevoll gestalteten Programmheft, das die Hintergründe von Musik und Texten in brillanter Sprache erhellt, schreibt Noll: „Wir heute verdrängen eher Endlichkeit und Ende und huldigen einem Kult ewiger Jugendlichkeit. Anders bei Bach..."
33. Bach-Konzert in St. Martin Kelsterbach
Dank der finanziellen Unterstützung der Stadt Kelsterbach ist auch in diesem Jahr wieder „große Kirchenmusik" beim Bachkonzert möglich. Es ist das nunmehr 33. Konzert zu Johann Sebastian Bachs Todestag († 28.7.1750) und findet am Sonntag, dem 25. Juli 2010, um 20 Uhr in St. Martin Kelsterbach statt (seit seiner Begründung durch Rainer Noll im Jahre 1977 unter seiner Leitung).
Prächtige Festmusiken standen bei den Jubiläen der vergangenen Jahre auf dem Programm. 2007: 30 Jahre Bach-Konzerte, 2008: 450 Jahre evangelisches Kelsterbach und 40jähriges Dienstjubiläum von Kantor Rainer Noll, 2009: 250. Todesjahr von Bachs Altersgenossen Georg Friedrich Händel.
Diesmal wird das Programm dem Anlass gemäß introvertierter sein: Sopran-Solo-Kantate „Mein Herze schwimmt im Blut" BWV 199, Bass-Solo-Kantaten „Ich habe genug" BWV 82 und „Der Friede sei mit dir" BWV 158, Dialog-Kantate „Liebster Jesu, mein Verlangen" BWV 32 für Sopran und Bass. Diese Kantaten thematisieren in innigster Weise die Situation des Menschen, der sich inmitten von irdischer Not und Bedrängnis nach seligem Frieden, Erfüllung und himmlischer Freude durch Erlösung von Welt, Sünde und Tod sehnt. Sie gehören zur „ars moriendi" („Sterbekunst"), die für den barocken Menschen immer zur rechten „ars vivendi" („Lebenskunst") als Kehrseite gehörte, während wir heute Endlichkeit und Ende eher verdrängen und einem Kult ewiger Jugendlichkeit huldigen. Anders bei Bach, über den Albert Schweitzer in seiner Bach-Monographie (S. 147) schreibt: „Sein ganzes Denken war von einem wunderbaren, heiteren Todessehnen verklärt. (...) und nie ist die Sprache seiner Töne so ergreifend, wie gerade in den Kantaten, in denen er die Erlösung vom Leibe dieses Todes predigt."
Nordenstadt liegt östlich von Wiesbaden, links der Autobahn (A 66) von Wiesbaden nach Frankfurt. Fast bis zur Eingemeindung zu Wiesbaden im Jahre 1977 war Nordenstadt eine kleine Landgemeinde bäuerlichen Charakters.
Bemerkungen von Rainer Noll zu dem derzeitigen „Albert-Schweitzer-Boom" in Film, Sendemedien, einigen Buchpublikationen und Diskussionen (21.1.2010):
In „Verfall und Wiederaufbau der Kultur" (München, 1960, S. 25) schreibt Albert Schweitzer bereits 1923 harte Worte: „Zeitschriften und Zeitungen haben sich in steigendem Maße in die Tatsache zu finden, daß sie alles nur in der leichtestfaßlichen Form an den Leser heranbringen dürfen. [...] Einmal mit dem Geiste der Oberflächlichkeit erfüllt, üben diese Organe, die das geistige Leben unterhalten sollten, ihrerseits eine Rückwirkung auf die Gesellschaft aus, die sie in diesen Zustand brachte, und drängen ihr die Geistlosigkeit auf." Und in „Aus meinem Leben und Denken" (=LD, Siebenstern-TB, München und Hamburg, 1965, S. 183) lesen wir bei ihm: „Wie durch die Lichtreklamen, die in den Straßen der Großstadt aufflammen, eine Gesellschaft, die kapitalkräftig genug ist, um sich durchzusetzen, auf Schritt und Tritt Zwang auf ihn [den heutigen Menschen] ausübt, daß er sich für ihre Schuhwichse oder ihre Suppenwürfel entscheide, so werden ihm fort und fort Überzeugungen aufgedrängt."
(erschienen in "Forum Kirchenmusik" 03/2010)
„Erste und letzte Forderung bleiben Klarheit und Plastik":
Nochmals „Wider den eiligen Geist" und für „Slow-Food statt Formel 1"
Die beiden Artikel von Armin Schoof („Wider den eiligen Geist", Forum Kirchenmusik, 3/2009, S. 15 ff) und von Herfried Mencke („Slow-Food statt Formel I...", Forum Kirchenmusik, 6/2009, S. 20 ff) veranlassen mich, zu diesem Thema, mit dem ich mich (auch mit anderen) schon ein Leben lang auseinandersetze, ebenfalls einiges beizutragen. Um es gleich zu sagen: zustimmend und vor allem ergänzend.
Die Klage über falsche (überwiegend zu schnelle) Tempi in der Musik ist fast so alt wie die Klage über die Verderbtheit der Jugend. Tadel und Warnungen finden sich von dem bei Schoof erwähnten Schütz über C. Ph. Emanuel Bach, Quantz, Mozart, Beethoven, Schumann, Reger (diesen siehe auch Schoof) bis in die heutige Zeit (um nur einige namentlich anzuführen). Auch das Tempo folgt interpretatorischen „Moden", das Pendel schlägt auch hier nach beiden Seiten aus.
„Geistesgegenwart" - ein Beispiel aus der
modernen Musik der Kirche (1)
(mit Exkurs: »„im Geiste von..." bei Albert Schweitzer«)
Vortrag von Rainer Noll, gehalten am 15. März 1997 während der Internationalen Seminartage des Albert-Schweitzer-Hauses in Günsbach/Elsaß (Gesamtthema: Heiliger Geist - Geist des Lebens - Geist der Wahrheit) als Einführung zum abendlichen Orgelkonzert von Rainer Noll in der Pfarrkirche Günsbach auf der von Schweitzer geplanten Orgel