An der Förster & Nicolaus – Orgel:
Bach
hat zwei große Bearbeitungen über „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“
geschrieben. In der einen lässt er das Brausen des Heiligen Geistes im
pfingstlichen Jubel hören. Die andere, die wir heute hören, ist introvertiert
und verkündet das Mysterium des stillen,
sanften Wirkens des Geistes. Sie gehört zu den mystischen Choralvorspielen
Bachs. Jede Choralzeile wird in allen Stimmen vorimitiert, bis sie zuletzt in
der Oberstimme wie eine Erleuchtung erstrahlt. Unmittelbar nach dem Halleluja
bricht freudiger Jubel aus.
Die Partita über „O Gott, du frommer Gott“ besteht
aus neun Teilen (Teil = lat. pars, daher die Bezeichnung Partita). Die Melodie
des Chorales ist das verbindende Element aller Teile. Wie der holländische
Musikwissenschaftler Albert Clement in seiner Dissertation (1989) nachgewiesen
hat, ist jedem dieser Teile eine Strophe des Chorals zugeordnet, deren Inhalt
von der Musik auf teils äußerst subtile Weise ausgedeutet wird. Deshalb finden
Sie im Programm den vollständigen Choraltext zum Mitlesen. Teil I verherrlicht
in seiner vollgriffigen Harmonisierung des Chorals die Majestät des
Schöpfergottes. Im Bass des sechsten Teiles sind deutlich die „sauren Tritte“
abgebildet, durch die man ins Alter dringt, wie es in der zugehörigen Strophe
heißt. Strophe sieben redet von Sterben und Grablegung: die Musik
versinnbildlicht dies durch eine alle Stimmen durchziehende Abwärtslinie
(ähnlich wie in der Orchesterbegleitung des Schlusschores der Johannespassion
oder in den Bässen des Schlusschores der Matthäuspassion). Die folgende Strophe
enthält die Bitte des Frommen, Gott möge seiner bei der Auferweckung der Toten
gedenken: Bach schildert in quälender Chromatik die schmerzliche Sehnsucht
derer, die in dunkler Gruft der Erlösung harren. Im letzten Teil bricht sich
dann der Jubel der Auferstandenen Bahn, die sich den Lobpreis der Dreieinigkeit
zusingen.
Präludium und Fuge Es-dur bilden die Rahmenstücke der „Clavierübung III. Teil“,
die Bach als seine ersten Orgelwerke 1739 veröffentlichte (im Alter von 54
Jahren! – Mit 46 Jahren erst hatte er die „Clavierübung I. Teil“ als sein Opus
I herausgegeben, was ein Licht auf seinen Anspruch an sich selbst wirft).
Dieses Präludium und die Fuge sind zugleich sein letztes freies, d. h. nicht
choralgebundenes Orgelwerk. Der Bach-Forscher Christoph Wolff bezeichnet die
„Clavierübung III. Teil“ als Bachs „umfangreichstes“ und zugleich
„bedeutendstes Orgelwerk“, ja als „die Quintessenz seiner Orgelkunst“ (zitiert
nach Albert Clement, „Der dritte Teil der Clavierübung von Johann Sebastian
Bach“, Middelburg 1999, S. 10). Dieser III. Teil ist der einzige aller Teile
der Clavierübung, den Bach nicht nur „denen Liebhabern“, sondern „besonders
denen Kennern von dergleichen Arbeit“ zueignet.
Sowohl im Präludium als auch in der Fuge spielt die
Zahl drei als Symbol für die Dreieinigkeit eine zentrale Rolle: drei
unterschiedliche Themenkomplexe beherrschen das Präludium, und drei auseinander
hervorgehende Fugen verschiedenen Charakters bilden die Fuge als Ganzes.