erschienen am 13.11.2009 in "Kelsterbach Aktuell"
Klangfarben: Gleich zwei Uraufführungen in St. Martin Kelsterbach
Im Rahmen der Dekanatskirchenmusikwoche „Klangfarben" fanden in einem sehr gut besuchten Sonderkonzert in der St. Martinskirche gleich zwei Uraufführungen statt: die Choralsuite „Du meine Seele, singe" für vier Posaunen und Orgel des bei Berlin lebenden Lothar Graap (geb. 1933) und fünf spielerische Variationen für vier Posaunen über das Lutherlied „Nun freut euch, lieben Christen g'mein" von Martin Schlotz (geb. 1971), Lutherkantor in Rüsselsheim. Beide Kompositionen gab Kantor Rainer Noll speziell für dieses Konzert in Auftrag. Graaps eher traditionelles Werk mit effektvollem Dialog zwischen Posaunen und Orgel, überzeugend dargeboten vom Posaunenquartett „WaltaffaBRASS" (Karl-Ernst Eschborn, Michael Herner, Gerhard Eschborn, Gunther Mäusezahl) und Rainer Noll an der Orgel, erhielt als einziges spontan Zwischenapplaus. Die Variationen von Schlotz kamen mitreißend jazzend und swingend daher.
Neben Werken von Weckmann, Campra und Beethoven ist besonders das Vivaldi-Concerto h-moll, für Orgel arrangiert von Bachs Zeitgenossen Johann Gottfried Walther, zu erwähnen, dessen 3. Satz an Virtuosität kaum zu überbieten war.
Einen besonderen Höhepunkt aber bot das bedeutendste der nur vier überlieferten Orgelwerke des Husumer Organisten Nicolaus Bruhns (1665 - 1697): das große Präludium in e-moll. Mit seinen schroff wechselnden Affekten in toccatenartigen und fugierten Abschnitten wirkt es geradezu wie eine Demonstration par excellance des „stylus fantasticus", in dem es geschrieben ist. Rainer Noll setzte sein ganzes Können an Spiel- und Registrierkunst ein, um das „Fantastische" dieses damals wie heute Aufsehen erregenden Werkes herauszuarbeiten. Allein diese Darbietung machte so dem Motto „Klangfarben" der Dekanatskirchenmusikwoche alle Ehre.
Kirchenmusikdirektor Peter Schuman, Heidelberg