Albert Schweitzer und die Musik

02.10.2011 - 18:00

So lautet der Titel des Vortrages, den Rainer Noll am Sonntag, dem 2. Oktober 2011, um 18 Uhr in der Evangelischen Martinskirche in Nierstein als Abschluss der Ausstellung und der Veranstaltungsreihe „Albert Schweitzer in Nierstein und Rheinhessen" halten wird (Eintritt frei - um eine Spende wird gebeten).

Anschließend spielt Noll, dessen Orgelinterpretation von Anfang an durch Schweitzer geprägt wurde, ein Orgelkonzert mit Bachwerken, die auch Albert Schweitzer oft gespielt hat: die Fuge g-moll, die Choralvorspiele „Schmücke dich, o liebe Seele" und „Vor deinen Thron tret ich hiermit" sowie  Präludium und Fuge e-moll. Darüber hinaus erklingt eine Fantasie über die Töne A - (E)s, Schweitzers Namensinitialen, die Lothar Graap (geb. 1933) als „Hommage à Albert Schweitzer zum 125. Geburtstag" komponiert hat.

In dem Vortrag geht es nicht nur um den musikalischen Werdegang Schweitzers, sondern auch um die Frage: Was hat dieser Mann uns heute noch musikalisch zu sagen, der aus einer anderen Zeit kommt, und den unsere Zeit längst überholt zu haben scheint? Schon seine äußere Erscheinung, sein ganzer Habitus verweist auf eine vergangene Zeit: das 19. Jahrhundert. Auch sein Orgelspiel und seine Orgelbauvorstellungen sind ganz von der Romantik geprägt. Dies erscheint geradezu paradox, ja missverständlich, da gerade er es war, der der Bach-Interpretation des 20. Jahrhunderts wichtige Anregungen gab und eine Bewegung im Orgelbau initiierte, die dann als „Orgelbewegung" weit über ihn hinausging.

Mit Rainer Noll konnte ein Referent gewonnen werden, der sich seit seinem zehnten Lebensjahr mit Schweitzer in allen Facetten auseinandersetzt. Er ordnete und katalogisierte seinen musikalischen Nachlass in seinem Haus in Günsbach im Elsass. Die ergreifende Beseeltheit und Wärme und die jede Veräußerlichung meidende glutvolle Intensität der Orgelinterpretationen Rainer Nolls bezeugen den fast vergessene Geist des Orgelspiels Albert Schweitzers und halten ihn gegen den Trend der Zeit lebendig. Inspiriert von Albert Schweitzer, entwarf Noll 1972/73 die neue Orgel in der Evangelischen Kirche in Wiesbaden-Bierstadt, die auch eine authentische Wiedergabe der Orgelwerke der deutschen und französischen Romantik ermöglicht - damals der Zeit weit voraus, heute eine Selbstverständlichkeit (siehe dazu http://www.erbacher-hof.de/orgel/bierstadt).

Nolls Veröffentlichungen zu Schweitzer sind zu finden unter:

www.erbacher-hof.de.