Orgelfahrt 2013 mit Rainer Noll (Kantor im Dekanat Rüsselsheim) vom
Freitag, dem 30.8. bis Sonntag, dem 1.9.2013 (3 Tage, 2 Übernachtungen)
nach Regensburg (neue Domorgel und andere) und Ebrach (prächtige
Zisterzienserabtei mit drei historischen Orgeln); evtl. Wallfahrtskirche
Vierzehnheiligen bei Staffelstein.
Freitag, 30.8.2013: Abfahrt 16 Uhr in Rüsselsheim (Theater, kostenlose Parkmöglichkeit) nach Regensburg (freier Abend),
Samstag, 31.8.2013: Orgeln in Regensburg, Stadtbummel
Sonntag, 1.9.2013: Messe im Dom und Domorgel mit Domorganist Prof. Franz Josef Stoiber, Zwischenstopp im Kloster Ebrach (im Steigerwald zwischen Bamberg und Würzburg) mit fränkischem Abendessen und/oder alternativ Bruckners 6. Symphonie A-dur in der Abteikirche mit der Philharmonie Festiva (München) unter Gerd Schaller von 17 bis 18 Uhr (Eintritt 24 €, wird vom Bayerischen Rundfunk live mitgeschnitten),
Im Jahre 1754 erhielt die aus dem
16. Jahrhundert stammende Vorgängerkirche, die um diese Zeit renoviert wurde,
eine Orgel, über die wir weiter nichts wissen (Martin Balz, Reinhardt Menger:
„Alte Orgeln in Hessen und Nassau",
Kassel 1997, S. 134). Nach der Wende zum 19. Jahrhundert wurde diese
Kirche immer baufälliger. 1808 musste sie abgesprießt werden, die Gottesdienste
fanden in der Schule und den oberen Pfarrhausräumen statt. Nach den Wirren der
Napoleonischen Kriege 1813-15, die einen Neubauplan verzögerten, wurde sie 1817
abgerissen. 1819-23 wurde die heutige Kirche im klassizistischen Stil nach
Entwürfen von Georg Moller (1784 - 1852), seit 1810 Oberbaurat und Hofbaurat
des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, erbaut.
1822 schloss man mit dem Orgelbauer Johann Hartmann Bernhard (1773 - 1839) aus Romrod einen Vertrag über den Neubau einer Orgel, die bei der Einweihung der neuen Kirche am Martinstag 1823 (11. November) erstmals erklungen ist. Sein Vater Johann Georg Bernhard (1738 - 1803) hatte die renommierte Werkstatt in Romrod gegründet, die sein Sohn Friedrich Wilhelm Bernhard (1804 - 1861) weiterführte - er arbeitete an der Orgel in Kelsterbach bereits mit.
Auf die Gestaltung der Disposition (Gesamtheit der Register) nahm der Großherzoglich-Hessisch-Darmstädtische Hoforganist und Kammermusiker Johann Christian Heinrich Rinck (1760 - 1846) persönlich Einfluss (vermutlich hat er auch die Orgel nach Fertigstellung abgenommen, wie sich dies z.B. für die Stadtkirche Rüsselsheim belegen lässt). Gegenüber dem Entwurf des Orgelbauers wünschte er mehr Grundstimmen zu 8' und 4', eine terzhaltige gemischte Stimme (Sesquialter) und eine Vox humana im Diskant des zweiten Manuals.
So lautet der Titel des Vortrages, den Rainer Noll am Sonntag, dem 2. Oktober 2011, um 18 Uhr in der Evangelischen Martinskirche in Nierstein als Abschluss der Ausstellung und der Veranstaltungsreihe „Albert Schweitzer in Nierstein und Rheinhessen" halten wird (Eintritt frei - um eine Spende wird gebeten).
Anschließend spielt Noll, dessen Orgelinterpretation von Anfang an durch Schweitzer geprägt wurde, ein Orgelkonzert mit Bachwerken, die auch Albert Schweitzer oft gespielt hat: die Fuge g-moll, die Choralvorspiele „Schmücke dich, o liebe Seele" und „Vor deinen Thron tret ich hiermit" sowie Präludium und Fuge e-moll. Darüber hinaus erklingt eine Fantasie über die Töne A - (E)s, Schweitzers Namensinitialen, die Lothar Graap (geb. 1933) als „Hommage à Albert Schweitzer zum 125. Geburtstag" komponiert hat.
In dem Vortrag geht es nicht nur um den musikalischen Werdegang Schweitzers, sondern auch um die Frage: Was hat dieser Mann uns heute noch musikalisch zu sagen, der aus einer anderen Zeit kommt, und den unsere Zeit längst überholt zu haben scheint? Schon seine äußere Erscheinung, sein ganzer Habitus verweist auf eine vergangene Zeit: das 19. Jahrhundert. Auch sein Orgelspiel und seine Orgelbauvorstellungen sind ganz von der Romantik geprägt. Dies erscheint geradezu paradox, ja missverständlich, da gerade er es war, der der Bach-Interpretation des 20. Jahrhunderts wichtige Anregungen gab und eine Bewegung im Orgelbau initiierte, die dann als „Orgelbewegung" weit über ihn hinausging.
Mit Rainer Noll konnte ein Referent gewonnen werden, der sich seit seinem zehnten Lebensjahr mit Schweitzer in allen Facetten auseinandersetzt. Er ordnete und katalogisierte seinen musikalischen Nachlass in seinem Haus in Günsbach im Elsass. Die ergreifende Beseeltheit und Wärme und die jede Veräußerlichung meidende glutvolle Intensität der Orgelinterpretationen Rainer Nolls bezeugen den fast vergessene Geist des Orgelspiels Albert Schweitzers und halten ihn gegen den Trend der Zeit lebendig. Inspiriert von Albert Schweitzer, entwarf Noll 1972/73 die neue Orgel in der Evangelischen Kirche in Wiesbaden-Bierstadt, die auch eine authentische Wiedergabe der Orgelwerke der deutschen und französischen Romantik ermöglicht - damals der Zeit weit voraus, heute eine Selbstverständlichkeit (siehe dazu http://www.erbacher-hof.de/orgel/bierstadt).
Nolls Veröffentlichungen zu Schweitzer sind zu finden unter:
Ich beginne mit Präludium d-moll BWV 539 auf der Raßmann-Orgel von 1889 (manualiter wegen nachoperativer Fußerkrankung) - Dann Hörbeispiel: Albert Schweitzer spielt Präludium C-dur BWV 545 auf der Orgel in All Hallows by the Tower, Barking Essex /London (Aufnahme: 16.-18.12.1935).
Nordenstadt liegt östlich von Wiesbaden, links der Autobahn (A 66) von Wiesbaden nach Frankfurt. Fast bis zur Eingemeindung zu Wiesbaden im Jahre 1977 war Nordenstadt eine kleine Landgemeinde bäuerlichen Charakters.